Drei Wochen voller neuer Erfahrungen, Herausforderungen und Erfolge: Zehn angehende Pflegefachkräfte haben die Azubi-Station am Standort Zwiefalten des ZfP Südwürttemberg erfolgreich abgeschlossen. Erstmals fand das Projekt auf einer Suchtstation statt – ein Novum mit wertvollen Erkenntnissen für alle Beteiligten.
Die Azubi-Station, an der neun Auszubildende der generalistischen Pflegeausbildung sowie eine Studentin des ausbildungsintegrierten Studiengangs Pflege teilnahmen, wurde von Beginn an als besondere Herausforderung betrachtet. Zum ersten Mal waren die angehenden Pflegekräfte auf einer Suchtstation (Station 3031) eingesetzt. "Der Suchtbereich ist ein ideales Bindeglied zwischen der Somatik und Psychiatrie. Hier können Sie optimal somatisches mit psychiatrischem Wissen verbinden", betonte Uwe Armbruster, Pflegedirektor der PP.rt, bei der Auftaktveranstaltung. "Eine Azubi-Station im Suchtbereich ist für uns alle Neuland", ergänzte Ralf Aßfalg, Pflegedirektor der Klinik für Psychiatrie und Psychosomatik Alb-Neckar. "Umso wichtiger sind die Rückmeldungen aller Beteiligten, um das Projekt weiterzuentwickeln."
Verantwortung übernehmen – mit voller Unterstützung
Die zehn Teilnehmenden hatten die Möglichkeit, eigenständig unter Anleitung von Praxisanleitenden und dem Stationsleitungsteam zu arbeiten. Dafür wurden sie umfassend vorbereitet: Neben einer Einführung in suchtspezifische Krankheitsbilder durch Dr. Mark-Christian Eberle, den ärztlichen Abteilungsleiter, absolvierten die Auszubildenden unter anderem Schulungen zu Notfallmaßnahmen, Dokumentation und Medikamentenmanagement. Auch teambildende Maßnahmen standen auf dem Programm.
Mit dem ersten Frühdienst am 14. März begann der praktische Teil des Projekts. Die Azubis übernahmen schrittweise die Organisation der Schichten, von der Medikamentenausgabe bis zur Patientenbetreuung. "Die Abläufe auf Station sind deutlich schnelllebiger und dynamischer als wir es aus der Ausbildung kannten", berichtet eine Teilnehmerin. " Sie habe durch das Projekt viel mehr Facetten des Pflegeberufes kennengelernt als während der restlichen Ausbildungszeit. Besonders die direkte Arbeit mit den Patient:innen stellte eine bereichernde Erfahrung dar. „Gerade auf einer Suchtstation haben die Patient:innen viele Möglichkeiten, sich aktiv in den Stationsalltag einzubringen und mit den Pflegenden in den Austausch zu gehen“ erklärt Praxiskoordinatorin Liane Fürst. Dies führe zu einer intensiveren Interaktion und fördere die Zusammenarbeit im therapeutischen Prozess. „Ich habe ein ganz neues Verständnis für die Bedürfnisse Suchtkranker entwickelt“, fasste es ein Auszubildender rückblickend zusammen.
Persönliche Entwicklung und neue Perspektiven
Nicht nur fachlich, auch persönlich war die Zeit auf der Azubi-Station prägend. "Am Anfang hatte ich Angst und habe mich gefragt, ob ich das überhaupt schaffe", gibt eine Schülerin zu. "Doch dann war ich erstaunt, wie sehr man über sich hinauswachsen kann." Besonders wertvoll sei das Gemeinschaftsgefühl gewesen. "Wir haben viel gemeinsam gelacht und gescherzt – das hat für eine gute Stimmung gesorgt." Die begleitenden Fachkräfte betonten ebenfalls die Lernbereitschaft der Auszubildenden. "Sie haben Engagement gezeigt und mit Herz und Verstand auf die Bedürfnisse der Patient:innen reagiert", lobte Andrea Fessler, Schulleiterin der Berufsfachschule für Pflege in Zwiefalten.
Am Ende der drei Wochen wurden die Leistungen der Azubis im Rahmen einer Abschlussveranstaltung gewürdigt. "Wir feiern heute nicht nur den Abschluss der Azubi-Station, sondern auch euer Engagement und eure Hingabe", betonte Praxiskoordinatorin Meadhbh Kieran. Dr. Eberle gab zu, anfangs skeptisch gewesen zu sein: "Ich bin beeindruckt von der tollen Leistung der Auszubildenden und wäre jederzeit offen für eine Wiederholung." Auch eine abschließende Umfrage unter den Beteiligten ergab ein durchweg positives Fazit: Besonders die intensive Betreuung, die Teamarbeit und der Lernerfolg in der Praxis wurden hervorgehoben. Auch die Azubis selbst äußerten Verbesserungsvorschläge: Eine längere Hospitationsphase vor Beginn könnte das Ankommen auf der Station erleichtern, und administrative Aufgaben seien ohne Berufserfahrung anfangs herausfordernd gewesen.
Zum Abschluss überreichte Stationsleiter Murat Günay-Raukuttis den zehn Auszubildenden eine Urkunde sowie eine personalisierte Vesperbox mit ätherischem Öl zur Konzentrationsförderung – eine kleine Geste als Anerkennung für ihren Einsatz und eine symbolische Vorbereitung auf die bevorstehenden Abschlussprüfungen im Sommer.